“Lieblinge unter der Lupe”: Porträt unseres neuen Phonovorverstärkers Audiospecials Phonolab 1.0

Phonolab 1.0 von Audiospecials unter der Lupe bei Bohne AudioIn unserem Blog wollen wir Ihnen künftig auch HiFi Komponenten vorstellen, die wir von Bohne Audio aus bestimmten Gründen für echte Knaller halten. Das kann an ihrer beeindruckenden Qualität unabhängig vom Preisschild liegen, an ihrem innovativen technischen Ansatz, der zuweilen der Grund für Ersteres ist. Oder es ist gerade das enorm gute Preis-/Leistungsverhältnis, das den jeweiligen Kandidaten auszeichnet. Unsere Beiträge verstehen sich weniger als detaillierte Analyse des technischen Innenlebens und des Konstruktionsprinzips, sondern vielmehr als pragmatischer Wegweiser und Nutzen-Check. Unser erstes Highlight: der High End Phonovorverstärker von Audiospecials, die Phonolab 1.0 mit Netzteil PSU 1.2.

Die Phonovorstufe, ein entscheidender Faktor bei der anspruchsvollen Analogwiedergabe

Wir haben uns viel Zeit gelassen, bis wir DIE Vorstufe für unseren Showroom auf dem Lechfeld auserkoren haben. Denn unsere Lautsprecher, in dem Fall das Top-Modell BB-18, bringen jede Stärke und Schwäche vorausgeschalteter Elektronik schonungslos zu Gehör. Und schließlich galt es, eine Analog-Sektion allererster Güte aufzubauen. Gesetzt waren dabei

  • ein Feickert Firebird als souveränes Laufwerk, inkl. Clean Akku-Netzteil
  • ein Reed 3p Tonarm in 12 Zoll Länge und mit einem Arm aus Cocobolo Holz
  • und als Tonabnehmer ein EMT JSD-6, ein Soundsmith Hyperion sowie als Vertreter humaner Preiskategorien ein Denon 103 R (ein besonders schönes Exemplar, das es in der Messung mit Adjust+ auf 37 dB Kanaltrennung brachte.

Von neutral bis zu “neutral ist anders”: wie soll ein Phonovorverstärker klingen

Nun, was hat ein Phonovorverstärker mit der Kombination von Laufwerk, Tonarm und Tonabnehmer zu machen? Hier gehen die Ansätze verschiedener Hersteller schon weit auseinander. Während die einen auf “Neutralität” setzen (also eigentlich die komplette Abwesenheit und das reine Durchreichen der Charakteristik des Tonabnehmers und ggf. Tonarms), wollen die anderen eine bestimmte Tonalität prägen. Solche gesoundeten Vertreter legen beim Bass mal 3 dB drauf, damit es wuchtiger und beeindruckender im Frequenzkeller klingt. Mal provozieren sie Transparenz, indem die Höhen bewusst angehoben sind – und helfen damit manchem nicht so hoch auflösenden Tonabnehmer auf die Sprünge.

Um es kurz zu machen: solche Klangreiter kamen für uns nicht in Frage. Unser Ziel war es, einen Phonovorverstärker zu finden, die das wiedergibt, was sich in der Rille befindet. Schließlich wollen wir die Vorzüge bestimmter Tonabnehmer bei bestimmten Musikrichtungen auskosten, über die Unterschiede bestimmter Pressungen ein und desselben Albums fachsimpeln und möglichst viele unterschiedliche Schallplatten genießen.

Moment mal: widerspricht sich das nicht? Wo die Unterschiede der Aufnahmequalitäten doch so enorm sind? Wo man es trotz der genialen Musik manchmal leid ist, eine Schallplatte aus den 80er aufzulegen, weil die Aufnahme 1:1 und damit gnadenlos als Sünde vergangener Zeit entlarvt wird. Zum Glück gibt es bei unserem volldigitalen Ansatz die Möglichkeiten, für solche Fälle mit besonderen Target-Curves zu arbeiten, die solche Exemplare hörbar machen. Aber wie viele braucht man davon? Und wird es nicht langsam etwas aufwändig? Die Phonolab von Audiospecials hat hier eine interessante Option zu bieten – dazu später mehr.

Eigenschaften eines guten Phonovorverstärkers

Bei der klanglichen Beurteilung gehen die Ansichten im HiFi und High End Sektor glücklicherweise stark auseinander, sonst wäre das Hobby auch nur halb so spannend. Das Schöne bei der Beurteilung einer Phonovorstufe ist aber, dass es unumstößliche Fakten gibt, die ein Gerät besser als andere machen.

Schwarz wie die Nacht: S/N Ratio

Eine Schallplatte hat einen maximalen Geräuschspannungsabstand von 65 dB, manche neuen Pressungen vielleicht von nicht mal 45 dB (Rücksende-Etikett drucken!). Trotzdem ist es aus unserer Sicht absolut inakzeptabel, wenn Geräte über 1.000 Euro beim heutigen technischen Entwicklungsstand rauschen wie ein Wasserfall. In der Fachpresse werden solche Werte dann mit “nicht die leiseste Ihrer Zunft” beschrieben. Wir sagen: Du musst nach Hause gehen.

Die Phonolab hat bei MM einen Geräuschspannungsabstand von 82 dB (A), bei MC und einer schon heftigen Verstärkung von 68/74 dB (Cinch/XLR) in der höchsten Einstellung immer noch 71 dB (A). So muss das sein, und mit Werten über 70 bei MC liegen Sie hier immer auf der sicheren Seite. Kompliment an dieser Stelle für die Musical Fidelity MX VYNL, die für 700 Euro Straßenpreis fast schon sensationelle Eigenschaften an den Tag legte.

Der Audiospecials Phonolab Vorverstärker macht eine gute Figur auf dem Rack

Aufstellungskritik: wer brummt, verliert

In direktem Zusammenhang mit dem Rauschverhalten steht die Empfindlichkeit gegenüber Einstreuungen anderer Geräte oder sonstiger Signale. Jedwede Störgeräusche trüben den analogen Musikgenuss, und wenn die Vorstufe in der Nähe von Endstufen massiv brummt, ist das kein Ritterschlag für die getroffenen Abschirmungsmaßnahmen. Auch Exemplare mit Preisschildern über 10.000 Euro waren erst 2 Meter vom Rack entfernt zufrieden mit ihrer Position. Schon angesichts der im Phonobereich zu empfehlenden kurzen Kabellängen indiskutabel. Interessant war auch, als wir osteuropäische Radiosender über die Masseleitung einer Vorstufe empfingen. Ja, der Lautstärke Regler war weiter aufgedreht, aber trotzdem: für Mittelwelle sind andere Gerätegattungen zuständig.

Auch in dieser Bewertungskategorie überzeugte uns die Phonolab vollends. Der speziell nach Hersteller-Spezifikation gefertigte, vergossene Ringkerntrafo mit doppelter MU-Metall-Schirmung im separaten Gehäuse hält dicht – Punkt. Da war selbst über drei Lexa Endstufen mit 4 x 1.000 Watt kein Mucks zu hören. Und egal ob wir das Netzteil direkt neben der Vorstufe, darüber oder darunter positioniert haben: es war Ruhe. Und wenn es bei Ihnen doch mal brummen sollte: über den  Groundlift Schalter (GND-Lift) steht eine weitere Option zur Verfügung, Erdungsprobleme auszuschalten.

Ein Deckel für unterschiedlichste Töpfe: Abschlusswiderstände und Co.

Wer nur einen Plattenspieler mit einem Tonarm und einem Tonabnehmer betreibt, muss nur einmal aufpassen: der Phonovorverstärker muss den Tonabnehmer optimal “abschließen”. Beim MM Tonabnehmer ist auch das egal, da sind es praktisch immer 47.000 Ohm (dafür ist die Einstellung des pF Wertes entscheidend, je nach Kabellänge und Tonabnehmer, das würde jetzt aber zu weit führen). Bei MC und manchmal MI (z. B. bei manchem Soundsmith Exoten) jedenfalls ist der Abschlusswiderstand eine wichtige Größe und oft entscheidend für das klangliche Resultat. Ein sehr niederohmiges SPU will niederohmig abgeschlossen werden, ein Soundsmith Sussurro oder Hyperion freut sich über 800 Ohm und mehr. Wer seine Tonabnehmer öfter wechselt, braucht Flexibilität bei der Vorstufe.

Die Phonolab bietet zum einen den Komfort, zwei Tonarme mit individuellen Einstellungen (Gain + Abschlusswiderstand) anzuschließen und bequem via Sensor (“mit einem Wisch …”) oder sogar via Fernbedienung (!) den Kanal zu wechseln. Zum anderen steht ein breites Set an Einstellungsmöglichkeiten pro Eingang zur Verfügung. Und bei Bestellung können beliebige Vorgaben für MM UND MC gemacht werden: 2 x MM, MM + MC oder 2 x MC. Sogar die Entzerrung ist wählbar: auf Wunsch nach RIAA oder Neumann Konstante.

Aber zurück zu den verfügbaren MC Abschlusswiderständen: Bei unserem Exemplar sind folgende Werte wählbar (eine solche Range bieten nur wenige):

  • 50 Ohm
  • 52 Ohm
  • 55 Ohm
  • 57 Ohm
  • 65 Ohm
  • 70 Ohm
  • 75 Ohm
  • 80 Ohm
  • 130 Ohm
  • 140 Ohm
  • 170 Ohm
  • 180 Ohm
  • 350 Ohm
  • 450 Ohm
  • 1.000 Ohm
  • 2.000 Ohm

Als Verstärkungseinstellungen stehen zur Verfügung:   

  • 58 dB
  • 62 dB:
  • 65 dB
  • 68 dB

(am XLR-Ausgang jeweils + 6 dB)

Die unterschiedlichen Verstärkungsstufen sind ebenfalls wichtig, denn es gibt sehr leise MC Tonabnehmer, deren Ausgangsspannung gerade mal 0,1 oder 0,2 mV beträgt. Und sehr laute wie das EMT JSD-6 mit 1 mV, das an manchen Phonovorstufen oder Übertragern mit hohen Übersetzungsverhältnissen verzerrt. Unser Tipp: Überlegen Sie sich genau, welche Tonabnehmer für Sie (heute und in Zukunft) mal in Frage kommen, und checken Sie Ihre Vorstufe in Bezug auf die notwendigen Anpassungen.

Impressionen zur Audiospecials Phonolab 1.0 Vorstufe

Mehr Bilder und Infos im Fidelity Magazin online

Klingt alles gut – aber klingt’s auch gut?

Weiter oben hatten wir bereits unsere Anforderung formuliert, dass die Vorstufe möglichst “neutral” klingen soll. Das ist so eine Gratwanderung. Denn nervig analytisch darf es nicht sein, eher präzise, durchhörbar und gleichzeitig musikalisch. Manche Phonovorstufen (NICHT nur die Tonabnehmer Einstellung mit Azimuth und Antiskating wirken sich dabei aus) sind extrem “scharfzüngig” und betonen/verzerren die Sibilanten. Hier eignen sich Tests mit prägnanten Frauenstimmen wie die von Jennifer Warnes oder Kari Bremnes.

Eindrücke mit verschiedenen Tonabnehmern

Die Phonolab hat gemäß dem Motto des Herstellers Audiospecials “Professionelle Technik im eleganten Design” ihren Ursprung in der Studio-Technik. Das sieht man nicht nur an den XLR-Ausgängen und den optional gegen Aufpreis erhältlichen symmetrischen Eingängen (Minibuchsen,  Lemo Norm, 3-polig). Jedenfalls traf ihre Auslegung von “Neutralität” unseren Nerv: clean, geradlinig, satt und voll; dabei nie sezierend, sondern musizierend. Ein mitreißender Fluss voller Melodie. Knackig und konturiert, aber nie aufgedickt im Bass. Klar und durchhörbar in den Mitten, fein auflösend in den Höhen, ohne zu überdrehen. Das EMT JSD-6 konnte seine beeindruckend trockene Tieftondarstellung voll zur Geltung bringen, das Denon 103 R bestätigte seine absolute Preis-Leistungsreferenz, und das Soundsmith Hyperion konnte in Sachen Transienten-Wiedergabe und Dynamik seine Führungsrolle unterstreichen. Wir waren jedenfalls klanglich vollauf abgeholt!

Innovation inklusive: der “Recompizer”

Klingt erst mal nach Marketing und ist es auch. Gleichzeitig hat diese einzigartige Funktion der Phonolab aber einen absolut ernst zu nehmenden Hintergrund und hohen praktischen Nutzen. Nicht wenige Schallplatten haben eine schmale, eng gepresste Rille, um die Spielzeit pro Seite zu maximieren. Um diese Rillen enger zu bekommen, muss der Toningenieur zwangsweise den Bass absenken. Und um diese Absenkung zu kompensieren, nimmt er ggf. noch etwas Hochton raus, um ein tonal ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen.

Was macht nun der Recompizer? Audiospecials hat mit Unterstützung eines Vinylschnitt-erfahrenen Toningenieurs sowie über lange Hör- und Testreihen die Charakteristik des Recompizers festgelegt. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um eine stufenlose Regelung des Tiefbass- und Höhenanteils, die dank der ausgeklügelten Charakteristik in der Lage ist, die klanglichen Auswirkungen des Vinylschnitts zu „kompensieren“. Wichtig: in welchem Maße der Toningenieur eingegriffen hat, weiß nur er selbst. Das ist von Scheibe zu Scheibe unterschiedlich, und darum funktioniert der Recompizer stufenlos.

Ein anderes Phänomen, insbesondere von Mainstream-Abmischungen, ist die Dynamik-Kompression; auch unter Loudnesswar bekannt, um sich im Radio mehr Gehör zu verschaffen. So eine Kompression führt in der Regel zu einer unangenehmen Betonung der Mitten. Diese wiederum kann über den Eingriff an den Frequenzenden wieder etwas zurückgenommen werden, und so bewirkt der Recompizer eine Art “Redynamisierung”.

Genug der Theorie. Die Praxisanwendung ist viel einfacher:

  • Platte auflegen.
  • Ist es „untenrum“ etwas blutleer, drehen Sie den linken Regler nach rechts. Oft bewirken schon 20 oder 30 Grad eine spürbare Verbesserung.
  • Sind zu viel Höhen im Spiel, drehen sie den rechten Regler nach links. Oder umgekehrt.
  • Ist eine Aufnahme stark komprimiert, erweitern Sie die Dynamik (natürlich nur zu einem gewissen Grad), indem Sie den linken und rechten Regler nach rechts drehen.

Das Schöne ist: Sie brauchen kein vertieftes technisches Verständnis,  der klangliche Effekt folgt Ihrem Geschmack. Und bleibt in unserem Fall meist auf der neutralen Mittelstellung (Regler rastet mechanisch ein).

Im Übrigen ist der Recompizer nur beim Phonolab 1.0 eingebaut, der Phonolab Pro kommt ohne ihn aus aber ist ansonsten genau baugleich.

Der Preis ist heiß

Wie oben angedeutet haben wir uns die Auswahl der Phonovorstufe für unseren Hörraum nicht leicht gemacht: insgesamt 8 Geräte mussten antanzen, von 700 bis 12.000 Euro Verkaufspreis lag die Range. Unser Liebling kostet dank Direktvertrieb nur 3.900 Euro in der Basisversion und ließ sie alle hinter sich. Humane Aufpreise sind für symmetrische Eingänge (3 Pin XLR) oder ein Motorpoti zur Lautstärkeregelung inkl. Fernbedienung fällig, mit dem sich der Phonolab sogar direkt mit einem Endverstärker verbinden ließe. Nach unserem Geschmacksempfinden wohlgemerkt. Wir freuen uns, wenn wir Ihr Interesse an diesem tollen Gerät geweckt haben.

Fazit

Unsere Empfehlungen in Sachen Phonovorstufe lautet: für Budgets bis 2.500 Euro greifen Sie ruhig zur 950 Euro günstigen MX VYNL von Musical Fidelity (hier ein Test von i-Fidelity) und lassen sich ein symmetrisches Mini 5 Pin XLR Kabel konfektionieren, dann kommt das Ganze über den symmetrischen Eingang noch besser. Möchten Sie mit größerem Budget nach den audiophilen Sternchen greifen, hören Sie sich die Audiospecials Phonolab an. Gern bei uns! Beide Geräte können Sie jederzeit bei Bohne Audio beziehen.

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2018-05-25T16:34:29+00:0011. Januar 2018|Analog, Gerätschaften, Meinung|